Funkstrecken für Lautsprecher - Möglichkeiten, Vor- und Nachteile

07.07.2022 | Christian

Ab und zu kommt es vor, dass Lautsprecher per Funk angeschlossen werden müssen. Wenn Kabel zu lang sind, im Weg liegen würden oder aus anderen Gründen nicht in Frage kommen. Hier einige Überlegungen zu unterschiedlichen Lösungsansätzen.

Beim letzten DJ-Stammtisch stellte ein Kollege seine Idee für eine einfache Mikrofon-Funkstrecke vor. Er nutzt hiefür ein Rode Wireless GO II und schließt Senderseitig ein Handmikrofon mit XLR-Klinke Kabel an. Empfängerseitig nutzt er das USB-C Audio-Interface und schleift den Mikrofonkanal in der DJ-Software über den entsprechenden Eingang ein. Wer ein System mit 2 Sendern besitzt, dem ist die relativ kurze Akkulaufzeit von ca.5h egal - er wechselt einfach den Sender und lädt parallel wieder auf.

In dem Gespräch kamen wir schnell auf die Idee, diese Funkstrecke könnte man doch auch verwenden, wenn man mal einen Lautsprecher zusätzlich per Funk ansteuern muss. Entweder, weil der Kabelweg zu lang sein, zu aufwändig zu verlegen oder eine Stolpergefahr darstellen könnte.

Nach dieser Diskussion gingen mir noch einige andere Möglichkeiten durch den Kopf. Speziell ein aktuelles Video von DJ-Talk zu einem LD-Systems Funkmikrofon brachte in einem Kommentar eine weitere Möglichkeit auf den Plan.

Im Folgenden möchte ich hier mal 3 verschiedene Varianten beschreiben und vergleichen. Weniger, um einen "Sieger" zu küren sondern eher um die Möglichkeiten und Probleme gedanklich durchzuspielen. Wer vor einer Kauf-Entscheidung steht, kann ja die für sich relevanten Informationen nutzen.

Und, na klar. Es gibt spezielle Funkstrecken, die genau dafür gedacht sind. Das hält mich aber nicht davon ab, einige Alternativen durchzuspielen.

Worauf kommt es bei der separaten Beschallung über Funk an?

Meines Erachtens darf die Latenz nicht zu groß sein, damit kabelgebundener und funkübertragener Ton nicht asynchron laufen. Zugegebenermaßen kann das egal sein, wenn der separat anzusteuernde Lautsprecher sowieso außer Hörweite der PA-Anlage steht. Will man aber zb. ganz bewußt einen längeren Raum beschallen und nutzt ein Delay, müsste man hier die zusätzliche Funk-Latenz genau kennen und mit einrechnen.

Der Klang muss natürlich passen. Je nach verwendeter Box sollte deren Frequenzbereich komplett erreicht und Rauschen oder Aussetzer natürlich vermieden werden.

Die Stromversorgung muss natürlich auch stabil sein. Akkubetriebene Funkstrecken halten hier zwar nur einige Stunden durch, dafür kann man so auch Akkuboxen komplett ohne Steckdose bettreiben. Geräte mit USB-Anschluss lassen sich oft per Powerbank zu längerer Mitarbeit überreden.

digital 2,4Ghz vs. Analog-Funk

Vorteil aller analogen Funkstrecken war bisher die geringe Latenz ggü. digitalen Funksystemen. Je mehr Aufwand bei der Wandlung von Analog zu digital und zurück getrieben werden muss, umso größer ist die Verzögerung. Je nach dem, wie groß die nutzbare Bandbreite bei der Funktechnologie ist, wird mal mehr, mal weniger Rechenaufwand bei der AD/DA-Wandlung benötigt. Bei Bluetooth z.b. sind die Audio-Codecs so aufwändig, dass leicht mit 40 bis 300ms Delay rechnen muss.

Ein wesentlicher Unterschied ist noch das Verhalten bei Empfangsproblemen. Ist die Funkverbindung schlecht, entstehen bei analogen Systemen meist Störgeräusche. Be digitalen Systemen ist der Ton dann zeitweise einfach unterbrochen. Was bei Musikübertragung von Vorteil sein kann, stört dann gern mal bei Sprachübertragungen. Beispiel: Wenn ich bei UKW-Radio im Grenzbereich die Reportage trotz Rauschen und Störungen noch mitverfolgen kann, ist bei DAB mit Aussetzern nichts mehr mitzubekommen. Es kommt alt darauf an, was einem wichtiger ist. Grundsätzlich will man als DJ aber eine Funkstrecke haben, die auch mit vielen Personen dazwischen eine stabile und saubere Übertragung ermöglicht.

Hier wäre mir persönlich dann auch die freie Auswahl verschiedener Frequenzen und Frequenzbereiche wichtig. Im Bereich 800MHz möchte ich keine Funkstrecke mehr einsetzen, da hier durch LTE mehr und mehr Störungen auftreten. Im 2,4GHz-Band können hingegen die ggf. zahlreichen WLAN-Funkzellen in der Umgebung Ärger bereiten. Ideal sind natürlich hier die freigegebenen VHF- oder niederfrequente UHF-Frequenzen. Bei gleicher Sendeleistung steigt die Reichweite mit abnehmender Frequenz.

Daher bin ich kürzlich mit meiner Funkmikrofonstrecke in das 470MHz-Band gewechselt.

Variante 1 - Mikrofon-Aufstecksender

Beispielhaft nenne ich hier mal den NUX B3, da ich ihn selbst oft in Kombination mit dem Shure SM58 verwende. Die Laufzeit ist mit ca. 5h etwas kurz, lässt sich aber via Mikro-USB per Powerbank aufrüsten. Es stehen 6 Frequenzen im 2,4GHz-Band zur Auswahl, mit denen man Störungen per Hand ausweichen muss. Größtes Manko beim Einsatz als Funkstrecke für Lautsprecher ist aber, dass Sender und Empfänger für Mikrofon-Pegel ausgelegt sind. Manche Lautsprecher lassen sich eingangsseitig auf Mic-Pegel hoch stellen, Am Mixerausgang ist es aber schon nicht mehr so einfach, den Pegel so weit herunter zu bekommen, dass der EIngang nicht übersteuert. Wer einen separat steuerbaren Booth-Ausgang hat, kann das mal probieren.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Empfänger hier direkt im Lautsprecher steckt und keine weiteren Kabel oder Adapter notwendig sind. Auch senderseitig ist hier - je nach Mixer/Controller - wenig Aufwand nötig. Dafür wird aber auch nur ein Kanal übertragen. Für Stereo bräuchte man schon 2 Funkstrecken, die sich gegenseitig möglicherweise schon wieder stören.

Alternativen:

t.bone
free2b

Fun Generation
Wireless Plug & Play

Sennheiser
XSW-D XLR Base Set

- 2,4GHz
- Akku: ca.7h 
- 24bit/48kHz
- Latenz < 3,5 ms
- Reichweite < 30m
- 5GHz, 
- Akku: ca.4h 
- Latenz: 5,6 ms
- Reichweite ca. 35m
- 2,4GHz, 
- Akku: ca. 5h
- aptX-Live Codec
- Latenz <4ms
99,- €
85,- €
299,- €

NUX B3

- digital Audio, 32bit / 48kHz
- Reichweite: max. ca. 30m 
- empfohlen ca. 18m
- Latenz: <4ms
- Dynamikbereich: 108db
ca. 180 €/$

Variante 2 - Rode Wireless GO II

Das Rode wird meist von Youtubern verwendet, da es eine unkomplizierte Mögichkeit bietet, ein Ansteckmikrofon mit dem Rechner zu verwenden. Der zweite Sender ist dann für Gesprächspartner oder das Einspielen von externen Quellen ideal.

Die Sender haben eine 3,5mm-Stereo-Klinke als Eingang, wo sich auch externe Mikrofone oder Audioquellen anschließen lassen. Hier würde man den Booth-Ausgang anschließen, der dann zur Box übertragen wird. Für eine Stereo-Übertragung kämen dann beide Sender zum Einsatz.

Auf der Lautsprecher-Seite schließt man den Lautsprecher per Stereo-Klinke und Adapterkabel an. Ein zweiter Lautsprecher ist möglich, muss dann aber ein Kabel vom Empfänger bekommen.

Specs:

Akku bis zu 7h

2,4GHz

ca. 200m Reichweite

ca. 250,- €

Problematisch könnte auch hier der Umstand sein, dass die Eingänge der Sendemodule für Mikrofon-Pegel ausgelegt sind. Man muss das Signal also deutlich herunterregeln.

Vorteil dieses Systems ist die universelle Nutzbarkeit entweder als Mikrofonstrecke oder eben als Funkstrecke für Lautsprecher sowie für Video-Aufnahmen mit zwei Sprechern.

Variante 3 - LD Systems U50X IEM

Ein IEM (In Ear Monitoring) System ist ja von Hause aus schon für das Senden von Audio-Signalen vom Mixer weg vorgesehen. 

Bei einem IEM-System speist man klassisch ein Stereo-Signal über zwei XLR-Leitungen in den Sender ein. Der Taschenempfänger bekommt das Stereo-Signal und gibt es über die Stereo-Kinke an den Lautsprecher weiter. Soweit machen das alle IEMs.

Und mit einem zweiten Taschenempfänger auf der selben Frequenz lässt sich auch eine zweite Box ansteuern.

Das LD-Systems hat hier allerdings eine Besonderheit zu bieten. Der Empfänger hat einen eingebauten "More-Me" Regler. Beim klassischen Monitoring schließt man hier die Audio-Summe an Kanal 1 und den Mikrofon oder Instrumenten-Ton des Musikers an Kanal 2. Am Empfänger stellt man dann Stereo/Focus ein und kann dann mit dem Balance-Regler die Mischung zwischen der Summe und dem Mikro/Instrumenten-Ton selbst einstellen.

In der Betriebsart als Lautsprecher-Funkstrecke bringt mich das auf eine Idee: Steht die separate Box nicht neben der Tanzfläche, sondern in einem separaten Gastraum, möchte man die Musik vielleicht etwas leiser als am Main-Floor einstellen, die Mikrofondurchsagen sollen aber laut und deutlich verständlich sein.

Mit der FOCUS-Funktion ("More-Me") lässt sich dann der Mikrofon-Ton in Bezug zum Musiksignal lauter stellen. Damit das funktioniert, braucht man natürlich separate Signale für die Mic-Summe (aller Mikrofone) und die Audio-Summe. Da ich einen digitalen soundcraft UI12 Mixer in meinem DJ-Case verbaut habe, lässt sich das für mich leicht realisieren. Dieser besitzt 2 AUX-Ausgänge, auf die beliebige Kanäle geroutet werden können.

Specs:

Frequenzbereiche:

LDU505IEM: 584 - 608 MHz, 96 Kanäle

LDU506IEM: 655 - 679 MHz, 96 Kanäle

LDU508IEM: 823 - 832 und 863 - 865 MHz, 96 Kanäle

Sendeleistung: 2, 10 oder 30 mW ERP (863..865MHz nur 2 und 10mW)

Reichweite >100m

Akku: 10h (zwei AA-Batterien)

378,- € (LDU508IEM)

399,- € (LDU505IEM)

445,- € (LDU506IEM)

Zwei weitere Varianten mit 470...490MHz und 514...542MHz gab es wohl, sind aber lt. Webseite nicht mehr verfügbar.

Ein weiteres Feature bietet die IEM-Strecke: Im Empfänger lässt sich ein 3band EQ schalten und einstellen. Wenn also die Box etwas Korrektur benötigt, kann man das direkt am Empfänger, kurz vor der Box erledigen.

Fazit:

Alternativen:

Sirus Stereo Link 5.8

max 30 m Reichweite,

5,8GHz 

Latenz <17ms


Denon DN-202 WT/WR Bundle

max. 30m Reichweite

2,4 GHz

Latenz: 20ms

239,- €

Xvive U4 drahtloses In-Ear Monitoring System

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